1914

Es war vor Beginn des ersten Weltkrieges, als die Gemeinde Stellau an der Chaussee

nach Hingstheide eine neue Meierei erbaute. Damals waren die Gemeinden Stellau und 

Wrist mit ca. 600 Einwohnern noch unabhängig voneinander. Erst im Jahre 1937

wurden beide Gemeinden zu einer Großgemeinde zusammengeführt.

Dokumente aus dieser Zeit lassen vermuten, dass bereits Anfang der 30er Jahre, nach

der Machtübernahme Adolf Hitlers, die Meierei stillgelegt und das Haus an eine

Hamburger Firma verkauft wurde.

Das Missionshaus Wrist zählt zu den geschichtsträchtigsten Häusern in Wrist. Einst in 1914 als

Meierei erbaut, wurde es bis heute auf die unterschiedlichste Art und Weise genutzt. Wie der

Werdegang genau aussah, soll die nachfolgende Chronik erläutern.

Bei dieser Firma handelte es sich um die Firma Seifert und Co. Hamburg, die das Haus

als Filiale der Feinmechanik nutzte und dort Röntgenapparate herstellte. Vermutlich

war es Dr. Richard Seifert Junior, der das Haus damals kaufte. Denn er entwickelte

1937 einen mobilen Röntgenapparat, der auf der Wertstoffschau in Berlin vorgestellt

wurde und sich als Verkaufsschlager entpuppte. Der sogenannte Isovolt Röntgen-

Apparat diente der industriellen Prüfung von Schweißnähten.

Doch nicht nur diese Errungenschaft macht das Haus so interessant. Auch Forscher

nutzten dieses Haus und entwickelten etwas, was die Welt bis dato noch nicht gesehen

hatte.

Bei den Forschern handelte es sich um den Norweger Rolf Wideröe, den Halbjuden

Bruno Touschek und einen Physiker namens Schuhmann. Sie entwickelten in Hamburg

ein Gerät, dass mit elektrisch geladenen Teilchen Flugzeuge abschießen sollte.

Man war der Überzeugung: Man müsse nur den Strahl auf die Flugzeuge richten, dann

würden die Motoren ausfallen und die Flugzeuge abstürzen.

Die Forschungsarbeiten liefen während des zweiten Weltkrieges. Da auch Hamburg

immer mehr zerbombt wurde, erhielt man im Februar 1945 den Befehl aus

Berlin,diesen Betatron Teilchenbeschleuniger von Hamburg in das heutige Missionshaus

nach Wrist zu bringen. Getarnt als Fabrik war das Haus damals ein idealer Ort, in dem

die Experimente und Forschungsarbeiten seinen Lauf nahmen.

Nicht ganz ein Jahr hielten die Forschungsarbeiten dort an. Denn im Dezember 1945

beendeten die Forscher ihre Arbeit dort.

Bis 1945 hatte Wrist ca. 1000 Einwohner. Doch die große Flüchtlingswelle aus dem

Osten überschwappte auch Wrist. Die Bevölkerungszahl in Wrist verdoppelte sich nach

Kriegsende auf fast 2000 Einwohner.

Was genau in dem Haus ab Dezember 1945 stattfand, kann nur vermutet werden. Es

kann jedoch davon ausgegangen werden, dass auch Flüchtlinge das Haus als

Wohnstätte nutzten und die Fa. Seifert ihren Betrieb endgültig einstellte.

1937

1945

1964

Wie das Haus zwischen 1945 bis 1964 genutzt wurde, ist leider unbekannt. Bekannt ist

jedoch, dass ab 1964 Gemeindestunden in diesem Haus stattfanden.

Seit 1959 machten sich Herbert und Doris Rompf aus dem Westerwald  auf und fingen

an in Schleswig-Holstein das Evangelium weiterzugeben. Ihnen war es ein besonderes

Anliegen, gerade in den Gegenden das Evangelium weiterzugeben, in denen es relativ

wenige Christen gab. Herbert Rompf war nach der Bibelschule Wiedenest als Diakon

bei der Barmer Zeltmission angestellt. Auch Glaubensbruder Walter Pfeiffer, Evangelist

der Barmer Zeltmission, hatte das gleiche Anliegen und so gestalteten sie gemeinsam

Gemeinde- und Evangelisationsveranstaltungen.

Die Missionsarbeit lief jedoch sehr schleppend an. Bis auf wenige Flüchtlinge machten

sich kaum Holsteiner auf, die Gemeindestunden zu besuchen. Ebenso entschieden sich

kaum Menschen für ein Leben mit Gott. Doch man ließ sich nicht entmutigen.

Aus Tagebucheinträgen von Herbert Rompf aus dem Jahre 1962 geht hervor, dass sie es

schafften an jedem Tag der Woche an den verschiedensten Orten Bibelstunden,

Evangelisationen, Bibelabende, Kinderstunden und Hauskreise abzuhalten.

Die Arbeit wurde zudem mehr und mehr

auch von anderen Brüdern unterstützt.

Missionseinsätze mit Missionszelt und

Missionswagen waren ein Teil deren Arbeit

und wurden vom Frühjahr bis in den Herbst

hinein durchgeführt. Für die Wintermonate

galt es jedoch, auch für den Missionswagen

eine geeignete Unterkunft zu finden. Man

machte sich auf und begann ein Haus zu

suchen.

Mit tiefem Gottvertrauen wurde eine

Unterkunft gesucht und es konnte schließlich

am 28.02.1964 ein Kaufvertrag

abgeschlossen werden. Nach 50 Jahren

wurde das Gebäude somit von der Barmer

Zeltmission gekauft. Mit Arbeitskräften aus

ganz Westdeutschland wurde renoviert und

umgebaut. Das Ziel dieser Arbeiten war die

Nutzbarmachung der Alten Meierei als

christliches Freizeit- und Versammlungshaus.

Nun wurde das Haus nicht mehr Alte Meierei,

sondern Missionshaus Wrist genannt.

Seit diesem Zeitpunkt haben viele tausend Menschen aus

dem deutschsprachigen Raum das Missionshaus als

Freizeitunterkunft genutzt. Die nahe liegende Bramau und

die wunderschöne Landschaft Holsteins boten Möglichkeiten

vielfältiger Urlaubsgestaltung. Bis heute ist das Missionshaus

Wrist eine Versammlungsstätte für Gottesdienste und bietet

Freizeit- und Schlafmöglichkeiten für bis zu 25 Personen.

Das Jahr 2014 war ein Jubiläumsjahr für das Missionshaus.

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Bokeler Str. 4, sowie des 50 jährigen-

Bestehens der Christlichen Versammlung Wrist, luden wir zu einem Festwochenende

vom 31.05. - 01.06.2014 ein. Im Zeichen der Dankbarkeit fand ein Tag der offenen Tür

und ein Festgottesdienst statt. Brüder und

Schwestern aus umliegenden Gemeinden,

Ortsansässige, Bürgermeister Günther Biel sowie

Pfarrerin Kötzolt aus der Wrister Kirchengemeinde

nahmen daran teil und sprachen Ihre Glückwünsche

aus. Bilder zum Jubiläumswochenende sind in der

Galerie hinterlegt. Mit Gottvertrauen blicken wir in

die Zukunft und sind gespannt, wofür der himmlische

Schöpfer das Haus weiterhin gebrauchen wird.

2014

Missionshaus Wrist
© 2017 CV Wrist

Chronik: ”Von der Meierei zur Mission”

Umbauarbeiten ab 1964 Missionshaus Wrist im Mai 1964 Veranstaltung in den 1980er Tag der offenen Tür